Methoden der Kinderwunschbehandlung: Insemination, IVF und ICSI

Natalie Kort
Katharina Psychologin (B.A.) und schreibt mit Leidenschaft Texte, in denen sie psychologische Methoden in selbst-anwendbare „Gebrauchsanleitungen“ für zu Hause verwandelt.

Künstliche Befruchtung – was genau passiert da eigentlich? Und was ist daran „künstlich“? Mit diesem Artikel möchte ich Dir die drei bekanntesten Methoden der Kinderwunschbehandlung näherbringen. Du erfährst, wie sie ablaufen und wann sie eingesetzt werden:

  • IUI (Insemination, wichtig: die Befruchtung passiert hier natürlich!)
  • IVF (In-vitro-Fertilisation)
  • ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion)

Von allen Methoden gibt es Abwandlungen, die nach der individuellen Situation des Paares von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ausgewählt werden. 

Hier findest Du noch mehr hilfreiche Informationen und Hilfestellungen zum Thema "Künstliche Befruchtung":

Tipps für die Planung von IVF, ICSI und Co. - mental, emotional, finanziell

Künstliche Befruchtung: Was passiert beim Embryotransfer?

Insemination: Unterstützung auf dem Weg zur Eizelle

Bei der Insemination werden die Spermien in die Gebärmutter der Frau übertragen. Dafür werden sie zunächst aus dem Ejakulat des Mannes „rausgewaschen“ und dann mit einem Spermienkatheter in die Gebärmutter eingeführt. Dadurch erhalten die Spermien Unterstützung auf ihrem Weg zur Eizelle, den sie sonst allein schwimmen würden. Eine Insemination findet meist in einer Kinderwunschklinik statt, doch sie kann auch in gynäkologischen Praxen durchgeführt werden. Warum wird das überhaupt gemacht? Dazu komme ich jetzt.

Es gibt zwei Arten von Insemination: homologe Insemination und heterologe Insemination. Bei der homologen Insemination werden die eigenen Spermien des Mannes verwendet, während bei der heterologen Insemination Spermien von einem Spender verwendet werden. Für lesbische Paare, die ein Kind bekommen möchten, ist der Weg der Samenspende sehr naheliegend. Frauen, die Solomutter werden möchten, sind oft zu dieser Entscheidung gekommen, weil die Familiengründung im Rahmen einer Partnerschaft nicht geklappt hat. Die Samenspende ermöglicht dann die Familienbildung direkt. Auch heterosexuellen Paare, bei denen die Fruchtbarkeit des Mannes stark eingeschränkt ist, sind auf eine Samenspende angewiesen. Und auch wenn eine Samenspende medizinisch gesehen eine einfache Behandlungsmethode ist, ist die Entscheidung von emotionaler Seite oft nicht leicht. Das aber nur ganz oberflächlich zu den Gefühlen und jetzt zurück zur Methode und wann sie noch angewandt wird. Eine Insemination mit eigenen Samen wird unter anderem verwendet, wenn …

  • ...das Paar keinen Sex haben möchte (das kommt häufiger vor als man denkt)
  • ...die Beweglichkeit der Spermien eingeschränkt ist (das lässt sich durch ein Spermiogramm überprüfen)
  • ...der Zervixschleim in der Scheide sehr zäh ist, was den Weg in die Gebärmutter erschwert
  • ...das Paar seit mindestens einem Jahr erfolglos versucht, schwanger zu werden, bisher jedoch keine Fruchtbarkeitsprobleme diagnostiziert worden sind

Manchmal werden zusätzlich vor der Insemination die Eierstöcke der Frau stimuliert, zum Beispiel, wenn sie ein PCO-Syndrom und deshalb keinen regelmäßigen Eisprung hat. Um das sicherzustellen, nimmt die Frau Medikamente ein, die die Eizellreifung anregen und den Eisprung auslösen. Die Insemination wird dann zeitlich an die hormonelle Stimulation der Eierstöcke angepasst, um die Chancen für eine Befruchtung zu erhöhen. Also wie beim fruchtbaren Fenster im natürlichen Zyklus, wo das Paar dann Sex an den fruchtbaren Tagen hat. Eine Insemination kann aber auch im natürlichen Zyklus ohne zusätzliche Hormone stattfinden. An welchem Punkt im Zyklus sich eine Frau gerade befindet und ob der Eisprung bevorsteht, kann mit einer Blut- oder Ultraschalluntersuchung getestet werden.  Es gibt auch verschiedene Möglichkeiten, die fruchtbaren Tage selbst zu bestimmen. In unserem Magazin haben wir einen ausführlichen Artikel dazu. 

Im engeren Sinne ist die Insemination gar keine „künstliche Befruchtung“, weil die Befruchtung selbst im Körper der Frau stattfindet. Anders sieht das bei den beiden Methoden aus, die ich Dir in den nächsten Abschnitten vorstellen möchte.

IVF – Befruchtung außerhalb des Körpers

Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) werden Eizellen der Frau außerhalb ihres Körpers mit den Spermien des Mannes befruchtet. „In-vitro“ heißt  „im Glas“ und bedeutet, dass die Befruchtung außerhalb des Körpers stattfindet. Das heißt bei der IVF treffen Eizellen und Spermien in einer flachen, durchsichtigen Schale aufeinander. Heutzutage sind die Schalen nicht mehr aus Glas, sondern aus medizinischem Kunststoff. Wie genau sieht dieses Rendezvous aus?

Zunächst werden der Frau Eizellen entnommen. Als Vorbereitung dafür werden ihre Eierstöcke durch eine hormonelle Stimulation angeregt, möglichst viele  Eizellen zu produzieren. Die Ärztin oder der Arzt entnimmt dann mit einer feinen Nadel die herangereiften Eizellen. Dieser Vorgang heißt Punktion. Nun wird das Sperma des Partners oder des Spenders benötigt. Das kann frisch oder kryokonserviert, also eingefroren, sein. Eine Eizelle und eine große Menge an Spermien (Hunderttausende!) kommen anschließend gemeinsam in eine Schale mit einer Nährflüssigkeit. Die Schale wird dann in einen Brutschrank gestellt, damit die Bedingungen im Labor denen der „natürlichen“ Umgebung ähneln. Also so, wie es im Eileiter oder der Gebärmutter wäre.

Das war der „künstliche“ Teil dieses Vorgangs. Dann passiert im Brutschrank das, was sonst im Körper der Frau geschieht: Es kommt (hoffentlich) zu einer Befruchtung. Ein Spermium dringt in eine Eizelle ein, woraus sich ein Embryo entwickeln kann. Ob der Versuch geglückt ist, wird dann unter dem Mikroskop überprüft. Wenn sich ein Embryo entwickelt hat, kann er transferiert werden. 

Eine IVF wird zum Beispiel dann gemacht, wenn die Eileiterfunktion der Frau eingeschränkt ist.  Auch nach mehreren erfolglosen Inseminationen ist der nächste Schritt oft eine IVF.

ICSI – Direkte Injektion eines Spermiums in die Eizelle

Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ist das letzte Verfahren, das ich Dir heute vorstellen möchte. Die Vorbereitung läuft wie bei der IVF ab. Der Unterschied ist hier, dass Eizelle und Spermien nicht gemeinsam in eine Schale kommen und nun ihrem Schicksal überlassen werden. Es gibt Starthilfe: Anstatt dass die Spermien ihren Weg allein finden und in die Eizelle eindringen, wird bei der ICSI ein einzelnes Spermium mit einer feinen Nadel direkt in die Eizelle „eingeschleust“ (injiziert). Anschließend kommt die Eizelle mit dem Spermium ebenfalls in den Brutschrank, damit sich die befruchtete Eizelle weiterentwickeln kann. Gründe für eine ICSI sind zum Beispiel, dass eine IVF wiederholt nicht geklappt hat oder die Fruchtbarkeit des Mannes stark eingeschränkt ist. Jetzt könntest Du Dich fragen, warum macht man nicht immer direkt eine ICSI, wenn da doch mehr "Starthilfe" ist? Studien zeigen, dass Paare (damit meine ich Spermien und Eizellen), bei denen eine IVF geht, nicht schneller ein Baby haben, wenn sie eine ICSI machen würden. Das Verfahren ist also nicht überlegen in Bezug auf die Geburtenrate. Da die ICSI aber teurer ist, darf sie nur angewendet werden, wenn es einen medizinischen Nutzen gibt und deswegen machen Paare, bei denen eine IVF geht, keine ICSI. Zumindest in Deutschland nicht. In anderen Ländern kann die Behandlungspraxis anders aussehen.

Fazit

Welche Methode der künstlichen Befruchtung bei Dir/Euch angewendet wird, hängt immer von Eurer individuellen Situation ab. Und wie Du gesehen hast, kann es mehrere Anläufe mit verschiedenen Methoden geben. Mit diesem Artikel habe ich Dir einen Überblick über die bekanntesten Verfahren geben. Hier sind die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst:

  • Bei der Insemination werden die Samen des Partners oder fremde Spendersamen mit einem Schlauch direkt in die Gebärmutter eingeführt. Die Befruchtung findet im Körper statt.
  • Die IVF findet außerhalb des Körpers statt („in vitro“ – „im Glas“). Eizelle und Spermien kommen gemeinsam in eine kleine Schale. In einem Brutschrank wird dann auf die Befruchtung gewartet. Das heißt, das befruchtende Spermium muss selbstständig in die Eizelle eindringen.
  • Auch die ICSI findet außerhalb des Körpers statt. Hier gibt es allerdings Starthilfe: Unter dem Mikroskop wird ein einzelnes Spermium mit einer Nadel direkt in eine Eizelle eingeführt. Dann wird gewartet, ob sich ein Embryo entwickelt.
  • Wann welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von der medizinischen Vorgeschichte des Paares und von vorangegangen Versuchen mit anderen Methoden ab.

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