"Verkehr zum Optimum" – aber bitte mit Spaß!

Wie behält und schafft man Intimität & Erotik in der Kinderwunschbehandlung?

Dieser Artikel beantwortet, was unter Verkehr zum Optimum verstanden wird. Der Schwerpunkt liegt auf häufig damit einhergehenden Gefühlen und Auswirkungen auf das Sexleben. Außerdem haben wir zwei Tipps, die Euch helfen können, den Spaß am Sex zurückzugewinnen. 

  • Was ist Verkehr zum Optimum?
  • Wie kann sich Verkehr zum Optimum auf die Beziehung auswirken?
  • Was kann helfen, trotz Verkehr zum Optimum wieder Spaß am Sex zu haben?

Sex an den fruchtbaren Tagen - in der Fachsprache wird das auch nüchtern „Verkehr zum Optimum“ genannt. Dieser Ausdruck lässt schon vermuten, dass es aus medizinischer Sicht egal ist, ob das Paar gerade Lust auf Sex oder Spaß dabei hat.  Es geht hier lediglich um den Zweck: Ein Spermium muss die Eizelle befruchten und das geht eben nur an den fruchtbaren Tagen. Wenn man nun schon seit längerem einen unerfüllten Kinderwunsch hat, kann diese funktionale und leidenschaftslose Sicht auf Sex bei einigen Paaren ebenfalls stärker in den Fokus rücken. Denn äußere Umstände fangen plötzlich an, das eigene Sexualleben zu bestimmen: Sei es eine Zyklus-App, die den optimalen Zeitpunkt für Sex feststellt, oder eine fremde Person wie z. B. die Ärztin oder der Arzt im Kinderwunschzentrum. So rücken die wenigen fruchtbaren Tage im Monat in den Mittelpunkt. Das Paar bemüht sich dann, zu den „erfolgversprechendsten“ Zeiten miteinander zu schlafen - in der Hoffnung, dass frau schwanger wird. Für die Erfüllung der größten Wünsche würden vermutlich die meisten fast alles tun. Daher ist es absolut verständlich, dass ein Paar darauf achtet, vorgegebene Pläne einzuhalten. 

Doch Sex nach Plan kann manche Paare auch stressen. Vielleicht weil man die wenigen fruchtbaren Tage im Monat "gut nutzen" möchte. Vielleicht aber auch, weil man schon so lange auf eine Schwangerschaft wartet. Das kann emotional anstrengend sein und manche bemerken Veränderungen in der Beziehung. Leidenschaft, Zärtlichkeit, Romantik oder der Spaß beim Sex können nachlassen. Das eine Paar kuschelt vielleicht einfach nur weniger miteinander. Andere spüren vielleicht eine ungewohnte Leere beim Sex. Wenn man solche Veränderungen bemerkt, kann das Sorgen oder Befürchtungen auslösen: Zum Beispiel, ob das nur vorübergehend so ist oder ob sich etwas Grundlegendes verändert hat. Manche haben sich vielleicht schon mit dem Thema beschäftigt oder erkennen ihre Situation in den Beispielen oben wieder. Andere hören davon zum ersten Mal und wollen sich informieren. Eines gilt jedoch für alle gleichermaßen:  Ob und wie sich Verkehr zum Optimum auf die Beziehung und die eigenen Gefühle auswirkt, ist bei jedem Menschen unterschiedlich.  

Manche Personen empfinden einen besonderen Druck, funktionieren zu müssen. In gewisser Weise ist das beim Verkehr zum Optimum auch so. Schließlich ist das Zeitfenster der fruchtbaren Tage verhältnismäßig kurz. Wenn man Druck empfindet, kann das z. B. Stress oder Versagensängste auslösen. Warum das so ist, kann von Mensch zu Mensch verschieden sein. Manche sorgen sich zum Beispiel über die verhältnismäßig geringe Anzahl an fruchtbaren Tagen. Andere wiederum beunruhigt das eigene Alter oder das des Partners/der Partnerin. Manche befürchten sogar, dass die eigene Fruchtbarkeit eingeschränkt sein könnte, wenn es mit der Schwangerschaft nicht so schnell klappt wie erhofft. Erwartungshaltungen in der Gesellschaft oder auch im direkten Umfeld können den persönlich empfundenen Druck auch verstärken. Vielleicht sind es die eigenen Eltern, die sich sehnlich ein Enkelkind wünschen. Oder die zunehmende Anzahl an Eltern im Freundes- und Bekanntenkreis. All dies kann Stress und Anspannung hervorrufen oder verstärken. 

Es kommen also meist verschiedene Dinge zusammen, die dazu führen können, dass die Lust am Sex bei manchen Menschen zurückgeht. Es kann auch ein Ungleichgewicht entstehen - eine:r hat Lust auf Sex und der oder die andere nicht. Das kann für manche eine schwierige Situation sein. Denn wahrscheinlich tut niemand gerne Dinge, auf die er oder sie keine Lust hat. Und kaum eine:r fühlt sich gut dabei, eine geliebte Person zurückzuweisen. Andererseits will man auch schnell schwanger werden. 

Mit solchen Situationen geht jede:r anders um: Manche wenden sich ohne Begründung vom Partner/der Partnerin ab. Andere lassen dem anderen zuliebe den Sex "über sich ergehen". Häufig spürt der Partner/die Partnerin jedoch die Anspannung des anderen. Auch die Reaktionen darauf können bei jedem verschieden sein. Manche sind vielleicht frustriert, andere verzweifelt oder fühlen sich weniger attraktiv. Das wiederum kann dazu führen, dass Paare sich streiten oder sich eine:r zurückzieht. Eine angespannte Beziehung bedeutet für beide Partner Stress - zusätzlich zu dem "normalen" Alltagsstress, der beispielsweise durch volle Terminkalender oder den Beruf entstehen kann.  

Beziehungen können jedoch auch eine wichtige Kraftquelle sein - gerade in aufwühlenden Lebensphasen wie der Kinderwunschzeit. Körperkontakt und Zärtlichkeit können uns ein Gefühl der Verbundenheit und Geborgenheit geben. Falls das gerade in einer Beziehung fehlt, gibt es hier nun zwei Tipps, wie der Spaß am Sex wieder aufleben kann. Dabei kann jedes Paar oder auch jede:r Einzelne selbst entscheiden, was in der eigenen Situation weiterhelfen könnte oder was man gemeinsam ausprobieren möchte. 

Tipp Nummer Eins: Die Kommunikation miteinander. Dass sich Männer und Frauen in der Kommunikation unterscheiden können, ist den meisten wahrscheinlich schon einmal aufgefallen. Trotzdem sei es an dieser Stelle nochmal erwähnt, denn man denkt nicht immer daran. Manchen hilft es, über ihre Gefühle zu reden, während andere sich eher zurückziehen und die Situation mit sich selbst ausmachen. Grundsätzlich ist keines von beidem "richtig" oder "falsch". In Bezug auf das Sexleben ist es jedoch wichtig, sich gegenseitig die Wünsche und Gefühle möglichst klar mitzuteilen. Nur so hat der jeweils andere die Chance, den/die Partner:in zu verstehen und auf sie/ihn einzugehen. Bei so einem intimen Thema sind Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung besonders wichtig. Schließlich beruht Sex auf Gegenseitigkeit und kann Glücksgefühle auslösen, wenn sich beide gut dabei fühlen. Und dann kann es auch wieder mehr Spaß machen im Bett. 

Tipp Nummer Zwei: Ein Gedankenexperiment. Man kann versuchen, den “zweckorientierten Sex” und den Sex aus Lust gefühlsmäßig voneinander zu trennen. Wie könnte das funktionieren? Es gibt nur wenige fruchtbare Tage im Monat und es ist nicht ganz genau feststellbar, wann diese sind. Ziemlich sicher ist jedoch, dass direkt nach der Monatsblutung zunächst unfruchtbare Tage kommen. An diesen Tagen könnte man sich gedanklich vorstellen, dass man ein Kondom benutzt. Das kann helfen, den Gedanken “ich will jetzt ein Kind zeugen” loszulassen. Das könnte helfen, die Anspannung beim Sex zu vergessen und Berührungen, Zärtlichkeit und Erregung wieder zu genießen.  

Fazit: 

  • Verkehr zum Optimum ist der medizinische Ausdruck für Sex an fruchtbaren Tagen.
  • Manche Menschen fühlen sich durch den Sex nach Plan unter Druck gesetzt oder gestresst. Das kann eine Beziehung belasten. Dadurch können Leidenschaft, Zärtlichkeit, Romantik oder der Spaß beim Sex nachlassen.
  • Helfen kann eine vertrauensvolle und offene Kommunikation miteinander oder die gefühlmäßige Trennung von Sex an fruchtbaren und Sex an unfruchtbaren Tagen.

Sex ist für viele eine sehr intime Angelegenheit. Manche sprechen auch nicht gerne darüber. Insbesondere dann nicht, wenn man Veränderungen oder gar Beeinträchtigungen bei sich selbst bemerkt. Hier spielen oft Schamgefühle oder Verdrängung mit. Verständlicherweise kann es für manche schwierig sein, diese Situation anzunehmen. In unserer Mediathek findet Ihr auch einen Beitrag zum Thema Paartherapie, der auch hilfreich sein kann. Auch wenn es vielleicht etwas Überwindung kostet, können ein medizinischer Check oder eine psychologische Beratung helfen, mit der Situation umzugehen. Falls es Euch so geht, meldet Euch gerne über den Button "Psychologischer Support" bei uns!