Auszug aus unserer Mediathek: Ist Yoga der Königinnenweg?

In den letzten 10 Jahren sind wissenschaftliche Studien zur Wirkung von Yoga wie Pilze aus dem Boden geschossen. An jeder Ecke gibt es ein Studio und es ist zum Trend geworden, sich mehr oder weniger regelmäßig zu entspannen. Viele Fans dieser Methode – vor allem Frauen – machen sogar selbst Ausbildungen zur Yogalehrerin und integrieren die althergebrachten Techniken in ihren Alltag.

Vor allem als Ergänzung zu stärkerer körperlicher Belastung beim Kraft- oder Ausdauersport ist Yoga eine sehr gute Methode. Diese Idee ist allerdings nicht neu. Bereits vor vielen Jahrzehnten wurden die Entspannungsverfahren Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung als wissenschaftlich fundiert eingeordnet und sind zum Beispiel auch Teil der Ausbildung von Psychotherapeut:innen. Für Jede:n, die oder der einen natürlichen Zugang zu solchen Methoden hat, also gerne auf einer Matte sitzt, vielleicht ruhige Klänge mag und sich auf den Körper konzentrieren kann, sind diese Methoden wahre Wunder. Viele Menschen fühlen sich allerdings von dieser Beschreibung nicht angesprochen. 

Die Entspannungsatmosphäre schon im Vorraum des Yogastudios macht sie unruhig und sobald die Lehrerin still ist, tauchen alle möglichen Gedanken auf. Von Entspannung keine Spur. Für diese Menschen sind die begeisterten Geschichten vom Yogaretreat oft wahre Rätsel und nicht selten erkundigen sie sich in Gesprächen mit Psycholog:innen, ob vielleicht etwas mit ihnen nicht stimmt. Ganz pauschal kann erstmal gesagt werden: Das ist nicht der Fall. Nicht Jede:r erzielt mit dieser Art der Entspannung gute Ergebnisse. Um jetzt genauer zu verstehen, auf was Entspannung abzielt, kann man Folgendes festhalten: Entspannung ist eine Form von loslassen, sein lassen und fließen lassen. 

Das kann sich auf den Körper, die Gedanken oder das Verhalten beziehen. Jedoch hat die Entspannung in allen Bereich gemeinsam, dass keine Konzentration auf ein Ziel oder eine Veränderung im Zentrum steht, sondern der Moment. Etwas praktischer gesprochen, kann es also auf der Verhaltensebene funktionieren, sich bei einem Spaziergang zu entspannen, wenn man dabei auf die Umgebung achtet (und nicht den eigenen Gedanken nachhängt). Für eine körperliche Entspannung kann auch eine kurze Fahrt mit dem Fahrrad nach Hause von der Arbeit helfen und auf Gedankenebene können viele Menschen auch bei einem Buch oder einer Serie entspannen.

Wichtig ist also für den persönlichen Königinnenweg der Entspannung nicht so sehr, dass ein gängiges Entspannungsverfahren angewandt wird, sondern eher, dass man sich Zeit dafür nimmt und es regelmäßig macht. Und hier liegt natürlich auch ein großer Vorteil des Yogatrends. Eine Gruppe oder Community, zu der man sich als zugehörig empfindet, kann eine gute Motivation sein, um auch an einem schlechten Tag die Anziehungskraft der heimischen Couch zu überwinden, sich von Gedanken zu lösen und Entspannungsübungen zu machen. Yoga kann also eine gute Möglichkeit zur Entspannung sein, aber es ist bei weitem nicht der einzige oder beste Weg.