Nahrungsergänzungsmittel in der Kinderwunschbehandlung

Was bringen Fruchtbarkeitstees, Extra-Vitamine und co?

„Pimp my Eggs“, „Pimp my Sperm” – Wer im Internet zu Ernährungstipps und Kinderwunsch recherchiert, findet jede Menge Rezepte, die als Geheimtipp zur Fruchtbarkeit gehandelt werden. In diesem Artikel möchte ich klären, was an solchen Ernährungstipps dran ist und ob es wirklich „die einzig wahre Diät“ bei Kinderwunsch geben kann.  

  • Was steckt hinter den „Pimp my Eggs“- und „Pimp my Sperm“-Ernährungsprogrammen?
  • Können bestimmte Nährstoffe und Nahrungsergänzungsmittel die Fruchtbarkeit steigern?
  • Wie kann man sich mit seiner Ernährung etwas Gutes tun?

Wer sich intensiv mit der passenden Ernährung bei Kinderwunsch auseinandersetzt, stolpert in Artikeln und Blogs vielleicht auch über die Worte „Pimp my Eggs“ oder „Pimp my Sperm“. Was soll das eigentlich sein? Gemeint ist damit eine Zusammenstellung verschiedener Nahrungsergänzungsmittel, die die Qualität der Eizellen bzw. Spermien verbessern sollen. Das „Rezept“ stellt sich z. B. aus Folsäure-, Zink-, Selen- oder Vitaminpräparaten zusammen, die zur Unterstützung einer gesunden Ernährung empfohlen werden und die Fruchtbarkeit steigern sollen. Damit gehen eine Menge Empfehlungen einher: Wann und wie die Präparate einzunehmen sind und welche Präparate die richtigen sind… – ganz schön kompliziert!  

Tastsächlich sind die wissenschaftlichen Studien zu den Effekten von Ernährung auf den Kinderwunsch gar nicht so eindeutig. Oftmals liegt der Fokus solcher Studien eher auf Frauen in der Schwangerschaft und es gibt wenige Ergebnisse, die sich konkret auf die Kinderwunschphase davor beziehen. Die Empfehlungen richten sich deshalb meist sowohl an schwangere Frauen als auch an Frauen in der Kinderwunschphase. Das ist so zu erklären, dass sichergestellt werden soll, dass der Körper schon zum Zeitpunkt der Empfängnis fit für die anstehende Schwangerschaft ist. Außerdem werden in den Studien oft Multivitaminpräparate verwendet, in denen viele verschiedene Nährstoffe enthalten sind. Dadurch können die Ergebnisse nicht immer auf einen bestimmten Nährstoff zurückgeführt werden. Außerdem soll in professionellen Studien natürlich dennoch sichergestellt werden, dass die Studienteilnehmerinnen die bestmögliche Versorgung erhalten. Daher werden zum Beispiel keine Studien durchgeführt, in denen nicht mindestens Folsäure gegeben wird. 

Dass Folsäure in der Schwangerschaft wichtig ist, ist gesichert. Damit sie Speicher in der Schwangerschaft ausreichend gefüllt sind, soll Folsäure schon 3 Monate vor dem Schwangerwerden genommen werden. Der Speicher füllt sich nämlich nicht so schnell. Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin, das in Lebensmitteln wie Spinat, Salat, Weißkohl, Tomaten, Orangen, Leber und auch Getreide als natürliches Folat enthalten ist. Fohlsäuremangel ist weit verbreitet und kann auch infolge vorheriger hormoneller Verhütung auftreten. Ein Folsäuremangel bei der Empfängnis und in den ersten Schwangerschaftswochen erhöht schon die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbildung beim Baby. Auf die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden, hat Folsäure aber keinen Einfluss. Andere Nährstoffe, die bei Kinderwunsch und Schwangerschaft positive Effekte zeigen, sind zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B12, Vitamin D, Vitamin E oder Jodid. Insofern könnte man sagen, dass die oben genannte “Pimp my Egg”-Zusammenstellung zumindest teilweise zum wissenschaftlichen Erkenntnisstand passt. Das soll aber nicht heißen, dass Nahrungsergänzungsmittel allein eine ungesunde Lebensweise ausgleichen können: Aus den meisten Studien ergibt sich nämlich die Empfehlung, dass die wichtigste Grundlage erst mal eine „gesunde Vollwerternährung“ ist. Gemeint ist damit eigentlich das, was die meisten von uns schon in der Schule lernen: Genug Vitamine, wenig Zucker und am besten ausgewogen! Wer den Eindruck hat, dass dennoch ein Nährstoffmangel besteht, kann sich ärztlich untersuchen lassen (z. B. auf Vitamin- oder Eisenmangel). Dann können Ergänzungsmittel gezielt empfohlen werden. 

Oft kann die Recherche nach der optimalen Ernährung und „dem perfekten Nahrungsergänzungsmittel“ einem das Gefühl geben, Kontrolle über den Kinderwunsch zu bekommen. Für seinen Kinderwunsch möchte man eben alles tun, was man kann. Allgemein gilt: Eine gesunde Ernährung ist zwar wichtig, aber einen universellen Geheimtipp für den Kinderwunsch gibt es nicht. Bei einer Ernährungsumstellungen empfiehlt sich vor allem die Frage danach, ob es einem damit gut geht und ob sich die Lebensqualität dadurch verbessert. Wenn man das Gefühl hat, für sich die ideale Ernährungsweise gefunden zu haben und daran Spaß hat, ist das natürlich toll! Wer sich bisher „ganz normal“ ernährt hat und daran nichts ändern möchte, muss sich aber auch keine Sorgen machen, dass ihm oder ihr dabei etwas entgeht.  

  • Bei Ernährungstipps wie „Pimp my Eggs“ oder „Pimp my Sperm“ handelt es sich meist um eine Zusammenstellung von Nahrungsergänzungsmitteln, die die Fruchtbarkeit steigern sollen.  
  • In wissenschaftlichen Studien sind die Ergebnisse für die Ernährung in der Kinderwunschphase oft gar nicht so eindeutig. Am wichtigsten ist das, was wir allgemein unter einer „gesunden Ernährung“ verstehen. 
  • Für seinen Kinderwunsch möchte man alles machen, was man kann. Eine gesunde Ernährung kann das Gefühl geben, sich selbst etwas Gutes zu tun. Einen universellen Geheimtipp in Sachen Ernährung gibt es aber nicht. 

Eine ausgewogene Ernährung ist natürlich gut und wichtig für das allgemeine Wohlbefinden – genauso wie Bewegung! Seinen eigenen Weg durch die verschiedenen Rezepte, Tipps und Tutorials zu finden, ist dabei gar nicht so einfach. Zusammenfassend lässt sich aber sagen: Wer gut und gerne isst, hat sich sicherlich etwas Gutes getan.