Kommunikationsstrategien für den Arbeitsplatz

Wie schafft du Balance zwischen Transparenz und Privatsphäre?

Kinder und Karriere ist mittlerweile ein heiß diskutiertes Thema und der Ruf nach zeitgemäßen Arbeits- und Familienmodellen hallt in vielen Medien wider. Zum Thema Kinderwunsch und Karriere habe ich hingegen noch nie bewusst etwas wahrgenommen. Daher habe ich Euch in diesem Artikel ein paar Tipps aus meiner Beratungspraxis zusammengestellt.

Grundsätzlich ist es heutzutage glücklicherweise so, dass viele von uns Berufe und Arbeitsplätze haben, die sie mögen. Fast Jede:r hat ihre oder seine Berufswahl mitgestaltet. Mindestens dadurch, dass jemand das angenommen hat, was ihr/ihm angeboten oder zugefallen ist. Und auch wenn Du Dich vielleicht gerade in einem Beruf oder an einem Arbeitsplatz befindest, der Dir nicht gefällt, gibt es Möglichkeiten das zu ändern. Das ist nicht ohne Anstrengung oder Risiko möglich, aber es ist möglich.

Worauf ich damit hinaus will, ist, dass unsere Arbeit eine Ressource ist. Auf der Arbeit schaffen wir etwas. Wir tun Dinge, die in mindestens einem Fall in einer Wertschöpfungskette einen Sinn ergeben. Und das ist immer erst einmal etwas, dass Stabilität gibt. Vielleicht habt Ihr schon andere Tutorials oder Beiträge von mir angeschaut oder gelesen. Dann merkt Ihr möglicherweise, dass das Thema Stabilität immer wieder aufkommt, wenn es um die Bewältigung von Belastungen in Zeiten des Kinderwunsches und durch die Kinderwunschbehandlung selbst geht. Also, wir halten fest: Arbeit ist eine Ressource, weil sie Stabilität gibt. Neben einem sinnhaften Tun ermöglicht die Arbeit auch oft eine Pause von Problemen, die uns gerade beschäftigen. Wenn man konzentriert etwas erledigt, treten andere Sachen zumindest kurzzeitig in den Hintergrund und das kann sehr erleichternd sein.

Das sind Gründe arbeiten zu gehen - auch in Zeiten, in denen man vielen Belastungen ausgesetzt ist. Manche von Euch haben dazu noch das Glück, mit netten Menschen zusammen zu arbeiten – seien es Kund:innen, Kooperationspartner:innen und im besten Fall auch die Kolleg:innen und Führungskräfte. Hier komme ich jetzt auch langsam zur Besonderheit – man kann es auch Problem nennen – wenn es um den Kinderwunsch und die Kinderwunschbehandlung geht.

Eine Kinderwunschbehandlung ist insbesondere für Euch Frauen sehr zeitintensiv. Selbst wenn auf Seiten Eures Partners (oder Eurer Partnerin!) die meiste medizinische Unterstützung erfolgen muss, gibt es viel zu besprechen, abzuwägen und zu entscheiden. Und hier habe ich jetzt noch nicht von der Begleitung zu Terminen gesprochen. Dies alles am Arbeitsplatz geheim zu halten und unter dem Radar ablaufen zu lassen, ist unheimlich anstrengend. Leider ist es aber trotzdem manchmal sinnvoll. Denn Branchen, Unternehmen und nicht zuletzt einzelne Kolleg:innen und Führungskräfte unterscheiden sich stark darin, wie sie auf einen Kinderwunsch reagieren.

Hier liegt jetzt das Problem: Völlige Transparenz schafft meist Freiräume für die Termine und den Umgang mit Nebenwirkungen (hier sind nicht nur körperliche, sondern auch mentale und emotionale Nebenwirkungen gemeint). Völlige Geheimhaltung hingegen wahrt Deine Privatsphäre und Du behältst die volle Kontrolle über Deine Informationen.

Etwaige Nachteile fallen bei der Geheimhaltung weg. Zum Beispiel, dass Du für ein Projekt nicht berücksichtigt wirst, weil man befürchtet, dass Du nicht voll oder nicht dauerhaft leistungsfähig bist. Genau das ist nämlich ein Nachteil bei der Variante „Transparenz“. Wahrscheinlich wirst du Verständnis für Deine Situation und auch organisatorisches Entgegenkommen bekommen, wenn Du zum Beispiel mal einen Vormittag für einen Termin im Kinderwunschzentrum brauchst. Gleichzeitig kann es Dir aber passieren, dass Du (unterbewusst) nicht als voll leistungsfähig angesehen wirst (ich verwende hier auch oft den Begriff „rohes Ei“).

 Bei der Variante „Geheimhaltung“ hingegen ist es so, dass Leute, die Dich besser kennen, merken werden, dass Dich etwas intensiv beschäftigt. Dann können sie sich alles Mögliche selbst zusammenreimen (z. B. Sorgen, dass Du dich wegbewirbst oder andere Probleme hast).

Aus diesem Grund empfehle ich eine Kommunikationsstrategie, die eine Balance zwischen Transparenz und Privatsphäre anstrebt. 

Das kann zum Beispiel so funktionieren, dass Du Dich mit Deiner Führungskraft besprichst und Folgendes kommunizierst:

  • „Ich habe ein Thema im Leben, das erfordert, dass ich viele Termine wahrnehmen muss. Die liegen öfter am Vormittag.“
  • „Ich möchte ungern genauer sagen, worum es geht, weil es mir guttut auf der Arbeit Normalität zu haben.“
  • „Ich kann aktuell nicht abschätzen, wie lange mich dieses Thema beschäftigen wird. Aber ich gebe Bescheid, sobald es ausgestanden ist.“

Wenn Du vermutest oder weißt, dass an Deinem Arbeitsplatz mit größerem Entgegenkommen zu rechnen ist, kannst Du auch Folgendes probieren:

  • „Ich mache eine medizinische Behandlung. Keine Sorge, es ist nichts Bedrohliches, aber es ist relativ aufwändig und ich habe öfter vormittags Termine.“
  • „Gibt es die Möglichkeit, dass ich für diese Termine freigestellt werde?"
  • „Darf ich flexibel arbeiten, um einen Termin wahrzunehmen?"

In Zeiten von breitflächig verfügbarem mobilem Arbeiten kann man sich auch einfach im Kinderwunschzentrum ins Wartezimmer setzen und von dort aus Mails beantworten. Sich quasi heimlich aus dem „Home Office" zu schleichen und Euch dann im Wartezimmer sitzend beim Anruf vom Chef erwischt zu fühlen, kann zu mentalem Stress führen, von welchem ich Euch abraten würde. Außerdem habe ich auch schon von Unternehmen gehört, die eine Freistellung für Termine in der Kinderwunschbehandlung gewährt haben.

Die betroffene Person musste dann nicht jedes Mal ein Attest abgeben. Es wurde eine schriftliche Vereinbarung mit der Personalabteilung getroffen, sodass die jeweilige Führungskraft das Ganze nicht „unter dem Radar“ durchwinken musste.

Für diejenigen von Euch, deren Arbeitstätigkeit generell nicht zeitlich und örtlich flexibel ist, kommen die vorgenannten Strategien von vornherein nicht in Frage. Ihr seid dann damit konfrontiert, dass sich Eure Kinderwunschtermine direkt auf Eure Anwesenheit und damit Arbeitsfähigkeit auswirken. Natürlich ist es möglich, dass Ihr weitgehend alles geheim haltet und mit Urlaubstagen und Krankschreibungen abdeckt.

Insbesondere wenn Euch Eure Kollegen und Vorgesetzten mögen, werden sie sich Gedanken machen. Es kann sinnvoll sein ein Gespräch zu führen, dass den anderen einige Orientierungspunkte gibt, ohne alles offen zu legen. Ich hoffe, dieser Beitrag hat nützliche Tipps für Dich enthalten und Du bekommst Ideen, wie Du es für Dich ganz persönlich beziehungsweise mit Deinem Partner gestalten möchtest. Natürlich kannst Du auch eine individuelle Beratung nutzen, um für Dich etwas zu erarbeiten, falls meine Beschreibungen und Tipps nicht ganz genau zu Dir passen.

Bleib stark!

Deine Sally